Ostergedichte

Unten an den Gartenmauern hab ich gesehn das Häslein lauern. eins, zwei, drei: Legt`s ein Ei, lang wird`s nimmer dauern. Uns nun sucht in allen Ecken, wo die hübschen Eier stecken: grün und blau, rot und grau und mit lauter bunten Flecken

Ist´s an Ostern lau und warm frisst dich die Verwandtschaft arm Ist´s an Osten warm und heiter geht die Fresserei gleich weiter Drum liebe Hausfrau hör die Moral von der Geschicht vergiss beim Einkauf Schappi nicht Denn im Falle eines Falles frisst die Verwandtschaft einfach alles.

Es war daheim auf unserm Meeresdeich; ich ließ den Blick am Horizonte gleiten, zu mir herüber scholl verheißungsreich mit vollem Klang das Osterglockenläuten. Wie brennend Silber funkelte das Meer, die Inseln schwammen auf dem hohen Spiegel, die Möwen schossen blendend hin und her, eintauchend in die Flut der weißen Flügel. Im tiefen Kooge bis zum Deichesrand war sammetgrün die Wiese aufgegangen; der Frühling zog prophetisch über Land, die Lerchen jauchzen, und die Knospen sprangen. Entfesselt ist die urgewalt'ge Kraft, die Erde quillt, die jungen Säfte tropfen, und alles treibt, und alles webt und schafft, des Lebens vollste Pulse hör ich klopfen. Theodor Storm

Wer ahnte, dass zum Weihnachtsfest Cornelia mich sitzen lässt? Das war noch nichts: Zu Ostern jetzt hat sie mich abermals versetzt! Nun freu ich mich auf Pfingsten - nicht im geringsten! Heinz Ehrhardt

Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte; süße wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, wollen balde kommen. Horch: von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bist 's! Dich hab ich vernommen! Eduard Mörike

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